Kategorien
Allgemein

Diepgen Score der Atopie

Eine uralte Geschichte, aber immer noch ganz hilfreich, wenn es um Neurodermitis (atopische Dermatitis) geht…

Sehr geehrter Herr Dr. Scheidegger,

durch Zufall bin ich auf Ihren Blog (https://med-space.ch/2022/01/diepgen-score-der-atopie/) und auf Tabelle 11.3 (Atopie-Score nach Diepgen; https://med-space.ch/2022/01/diepgen-score-der-atopie/) gestoßen.

Bei dem Erlanger Atopie-Score (EAS) nach TL Diepgen (Diepgen et al. 1991; 39:79-83; Diepgen et al. J Clin Epidemiol1996; 49:1031-38) handelt es sich um ein validiertes Instrument, mit dem nach einer systematisch entwickelten Liste von anamnestischen und klinischen Merkmalen gezielt Befunde erhoben werden und das Ausmaß einer atopischen Hautdiathese ermittelt werden kann.
Bei genauer Betrachtung stelle ich jedoch fest, dass die auf Ihrem Blog dargestellte Liste und Bepunktung Ihrer Blog-Version (in Anlage) erheblich vom validierten Erlanger Atopie-Score nach Diepgen (in Anlage das Original nach TL Diepgen) abweicht.

Die Diskrepanzen betreffen
abweichende Bepunktung der folgenden Kriterien: Hertoghe-Zeichen, Milchschorf, Perlèche, Familienanamnese, Rhinitis/Konjunktivitis, Dyshidrosis, Dennie-Morgan-Falte, Nahrungsmittelunverträglichkeit.
fehlende Kriterien, die im Original, nicht aber in Ihrer Blog-Version enthalten sind: Ohrragade/Ohrekzem, Pulpitis sicca, Brustwarzenekzem, Dirty neck, Akrozynose.
zusätzliche Kriterien, die in Ihrer Version, nicht aber im Original enthalten sind: Gesichtserythem.

Wie erklären Sie diese Diskrepanz? Worauf begründet sich Tabelle 11.3?

Sie legen in Ihrem Haftungsausschluss dar: „Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr hinsichtlich der inhaltlichen Richtigkeit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der Informationen.“
Dennoch bin ich der Auffassung, dass Zahlen, Daten, Fakten stimmen sollten, insbesondere im Hinblick darauf, dass die Erhebung der Kriterien einer atopischen Hautdiathese (nach Diepgen et al. 1991) explizit in der „Bamberger Empfehlung – Empfehlung zur Begutachtung von berufsbedingten Hauterkrankungen und Hautkrebserkrankungen (2025)“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung empfohlen wird.
Der Einsatz diskrepanter Instrumente führt zu divergenten Ergebnissen, was Implikationen für die Beurteilung berufsdermatologischer Patienten haben kann.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören!

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Vera Mahler
Abt. Allergologie / Division of Allergology
Abteilungsleiterin / Head of Division

Sehr geehrte Frau Prof. Mahler

vielen Dank für Ihre aufmerksamen Bemerkungen und Mitteilungen bezüglich desDiepegen -Scores sowie für Ihre hilfreichen Literaturhinweise.

Den Score habe ich damals in den 1990er-Jahren aus dem sogenannten „Blaubuch“ am Universitätsspital Zürich übernommen, zu einer Zeit, als Prof. Wüthrich dort tätig war. Wir haben ihn seither vor allem als einfaches orientierendes klinisches Hilfsmittel verwendet. Eine eigene prospektive Validierung habe ich nie durchgeführt, und ehrlich gesagt habe ich die ursprüngliche Quelle auch nie weiter hinterfragt.

Umso mehr schätze ich Ihren Hinweis sehr. Ich verstehe Ihr berechtigtes Anliegen, die wissenschaftliche Einordnung und die Limitationen solcher Scores klarzustellen. Ihre Anmerkungen sind deshalb ausgesprochen wertvoll.

Ich werde Ihre Hinweise gerne in meinem entsprechenden Blogbeitrag aufnehmen und dort auch auf die aktuellere Literatur zur Bewertung solcher klinischer Scores verweisen.

Nochmals herzlichen Dank für Ihre sorgfältige und konstruktive Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Paul Scheidegger

Sehr geehrter Herr Dr. Scheidegger,

vielen Dank für Ihre Antwort und die Absicht, meine Hinweise in Ihrem entsprechenden Blogbeitrag aufzunehmen.

Im Hinblick auf Transparenz und Konsistenz bei der Verwendung des Instruments möchte ich vorschlagen, in Ihrem Blog die Quelle von Tabelle 11.3 zu nennen verbunden mit dem Hinweis, dass es sich um einen modifizierten Atopie-Score nach Diepgen handelt, der sich in den Atopie Kriterien und ihrer Bepunktung vom validierten Erlanger Atopie-Score nach Diepgen (Diepgen et al. 1991; 39:79-83; Diepgen et al. J Clin Epidemiol1996; 49:1031-38) unterscheidet.

Vielleicht mögen Sie auch einen Link zum Original Erlanger Atopie-Score nach Diepgen in Ihrem Blog aufnehmen, der inzwischen zur schnellen und einfachen Einschätzung des Atopie-Risikos auch in elektronsicher Form unter https://www.eerlanger-atopie-score.dermavalue.com/de/ zu Verfügung steht.

Mit besten Grüßen aus Langen,

Vera Mahler